A-HA

Vom belächelten Boygroup-Saulus zum unterhaltsamen Pop-Paulus


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Von (1)

A-ha feiert 2003 ihr 20jähriges Band-Jubiläum – mit einer neuen Live-CD, zu der die Band in Hamburg Rede und Antwort stand.


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Mitte der Achtziger hatte auch Norwegen endlich seine Boygroup. Und was für eine: Die Poster von A-ha, besonders jedoch die von Sänger und Mädchenschwarm Morten Harket hingen in den Achtzigern so zahlreich in Teenie-Zimmern wie in den Neunzigern die von Take That und schließlich den Backstreet Boys.

Als A-ha jedoch an den Start ging, gab es freilich noch keine Castings, dank derer man heutzutage Jungstar-Gruppen quasi am Reißbrett zusammenwürfelt. Eigeninitiative war gefragt, und die bewiesen A-ha: Im Januar 1983 brachen die drei Osloer nach London auf, um bei den Talentscouts der Musikbranche die Klinken zu putzen. Nach vielen Anläufen und noch mehr Demo-Aufnahmen erkannte schließlich der Konzern Warner das Potenzial und nahm A-ha unter Vertrag – vornehmlich wohl deshalb, um eine Konkurrenz zu den damals erfolgreichen Duran Duran zu etablieren.


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Goldjungs


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A-ha

Morten im Vordergrund

Und der Start glückte auf Anhieb: Sänger Morten Harket, Gitarrist und Chefkomponist Pål Waaktaar-Savoy und Keyboarder Magne »Mags« Furuholmen landeten gleich mit der ersten Single »Take On Me« einen Welterfolg. Folge-Hits wie »The Sun Always Shines On TV«, »Hunting High And Low« oder das für den gleichnamigen James-Bond-Film geschriebene »The Living Daylights« bewiesen, dass das Trio nicht gleich als Eintagsfliege wieder abstürzte: Zehn Top-Ten-Singles, drei in Deutschland vergoldete Alben, acht MTV…-Awards und bis zu 200.000 Zuschauer pro Konzert sind nur einige der überzeugenden Fakten, mit denen sich A-ha behaupten.

Gleichwohl liebten damals vor allem (weibliche) Teenies die drei Jungs; von den Erwachsenen wurden sie allenfalls milde belächelt. Eine Einschätzung, der Morten Harket rückblickend nur zum Teil widerspricht: »Ich finde nicht, dass unsere Musik in den Achtzigern weniger reif war. Sie war später vielleicht erwachsener verpackt, und wir selbst waren natürlich viel älter und erwachsener.«


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Selbstverwirklichung und Experimente


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A-ha

Morten Harket solo

Nach dem Album »MEMORIAL BEACH« 1993 wird es recht still um A-ha. Es scheint, als wollten die drei Pop-Stars nun doch erwachsen werden. Magne widmet sich der bildenden Kunst und versucht sich an Soundtracks. Pål benutzte derweil mit Savoy den Nachnamen seiner Frau Lauren, um eine kommerziell beachtete, künstlerisch jedoch wenig überzeugende Solo-Karriere auf den Spuren des Brit-Pop zu starten.

Ausgerechnet Morten Harket, jener immer etwas naiv wirkende Sunnyboy mit der glockenhellen Knabenstimme, überrascht mit den geschmackvollsten und nachdenklichsten Solo-Alben: Die beiden norwegisch gesungenen »POETENES EVANGELIUM« und »VOGTS VILLA« sowie das englische »WILD SEED« kennzeichnen den Mädchenschwarm sogar als ausgesprochen sensiblen und feingeistigen Songwriter. Leider erhielten diese wirklich exquisiten Aufnahmen nie die verdiente Aufmerksamkeit und sind sogar in Deutschland bis heute teils nicht erhältlich.


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Das Comeback 2000


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A-ha

Magne im Vordergrund

Jeder der drei A-ha-Musiker hatte also seine künstlerische Verwirklichung gesucht – und gefunden. Es wurde wieder Zeit, Geld zu verdienen, wohl auch ermutigt durch den Erfolg anderer wieder aktueller Eighties-Bands wie New Order oder Depeche Mode. 2000 melden sich Harket, Waaktaar-Savoy und Furuholmen also mit dem Album »MINOR EARTH…, MAJOR… SKY« zurück. Was keiner erwartet hatte: Es war ein Comeback wie ein Paukenschlag. Sofort war A-ha wieder »Everybody's Darling«, diesmal auch bei älteren Generationen.

Das Trio war wohl selbst überrascht von der Herzlichkeit, mit der sie zurück im Pop-Biz begrüßt wurden. Klar, dass sich die Osloer da nicht lange bitten lassen und 2002 »LIFELINES« nachlegen, im Frühjahr 2003 dann das Live-Album »HOW CAN… I SLEEP… WITH… YOUR… VOICE… IN MY HEAD«.

45 Konzerte hatte A-ha bei ihrer Tournee absolviert, davon 12 allein in Deutschland. Selbst in russischen, polnischen, baltischen und südamerikanischen Städte gastierte die Band, obwohl doch Morten Harket Tourneen hasst: »Das Tournee-Leben ist äußerst langweilig, weil Du nur am Reisen bist. Man packt ständig Taschen, checkt ins Hotel ein, dann wieder aus; Flughäfen, Stewardessen, das Essen im Flugzeug, es ist alles das Gleiche und immer das Gleiche«.


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Tribute-Album?


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A-ha

Paul im Vordergrund

Immerhin: Wie man auf dem Live-Album nachhören kann, renovieren A-ha live ihre ehemals simpel stampfenden Achtziger-Jahre-Songs wie »The Sun Always Shines On TV«, »Take On Me« oder »The Living Daylights« mit modernen Arrangements und druckvollem Sound. Das rehabilitiert ihre alten Hits und brachte mittlerweile selbst Trend-Bands auf die Idee, Lieder der Norweger zu covern.

U2 spielten etwa »The Sun Always Shines On TV«, und Coldplay nahmen sich »High und Low« zur Brust. Wäre es da nicht schon an der Zeit für ein A-ha-Tribute-Album? »Gute Idee«, stimmt Harket verschmitzt zu. »Wir machen ein Doppel-Album daraus, und auf der zweiten CD spielen wir dann im Gegenzug Lieder von all diesen Bands.«

Eine letzte Frage: Fast allen anderen populären norwegischen Musikern meint man die weite und klare Landschaft ihrer Heimat anzuhören, seien es klagenden Saxofonschreie Jan Garbareks, Mari Boines Joiks oder die melancholische Schwermut des Midnight Choir. Und A-ha? Magne und Pål sind überzeugt: »Wir sind international, meinst Du nicht? Klar – wir sind Norweger, das ändert sich nicht. Aber wenn man Musik macht, ist es vorteilhaft, einige Zeit außerhalb von Norwegen zu verbringen. Es gibt zu viele Meinungen in Norwegen, und die Zeitungen diktieren jedem, was er zu mögen hat.«

Das klingt fast so, als ob es die beiden stören würde, gemocht zu werden.

Peter Bickel, erstmals erschienen in Nordis, 4/2003.
Fotos: WEA… / Olaf Heine.


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