FRRÄNGGISCHE EGGSDAHSE

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

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Von (23)

Zum 33. Mal, 3 Tage, 7 Bühnen, alles Eintritt frei – die Stadt Nürnberg als Veranstalter lässt sich eines ihrer kulturellen Aushängeschilder einiges kosten. Dafür kommen aber auch Touristen in Scharen – die Veranstalter meinten, dass die vorher vermutete Besucherzahl von 250.000 bei weitem übertroffen wurde.

Nicht jedes Jahr gibt es einen Länderschwerpunkt, aber 2008 einen, der uns von der Nordischen Musik nicht kalt lassen kann: Zum zweiten Mal nach 2001 war Finnland das gelobte Land teils grandioser Konzerte.

Tim Jonathan Kleinecke ließ es sich nicht nehmen, ein Wochenende in der fränkischen Metropole zu verbringen.

Alamaailman Vasarat

Hämmer der Unterwelt

Alamaailman Vasarat

Schüttel Dein Haar Für Mich

Hurra, trotz langer Arbeit, 300 km Anfahrt und Stau noch rechtzeitig angekommen und ins Nürnberger Zentrum gehechelt zu – ja, zu welchem Konzert?

Martti MÄKKELÄ'S TRASH… LOUNGE… ORKESTERI… hätte sicher die Nase vorn, schließlich gebührt ihm schon seit Jahren Respekt und Sympathie, nicht nur als Humppa Records und Kioski-Betreiber, sondern auch als Songwriter, und jetzt noch mit einer 3-Mädels-Band — Aber nachdem MM ja in Fürth residiert – nächstes Mal.

Tut uns leid, wir müssen nämlich auf die Insel Schütt zu ALAMAAILMAN… VASARAT…. Die Hämmer der Unterwelt halten alles, was man sich verspricht: ihre grandiose Mischung aus Klezmer, Metal, Jazz, Folk und allem möglichen kommt live noch besser als auf den CDs. Verspielter, mit mehr Raum für Improvisationen von Jarno Sarkula am Sopransax, der auch recht launige Ansagen macht, sich dabei auch mal verzettelt – witzig.

Raum auch für ausgedehnte Headbang- und Schüttel-Dein-Haar-Für-Mich-Attacken von Posaunist Erno Haukkala, der sichtlich inspiriert ist von einer krachenden Backing Line aus Drums, Harmonium und zwei Celli, die verzerrt herrlich metal-mäßig daher kommen, und man fragt sich: Wofür brauchen normale Bands Gitarre und Bass? Völlig fertig legt er sich nach Posaunensolo auf die Bühne, Jarno weckt seine Lebensgeister mit viel Wasser… Bewundernswert, wie locker ALAMAAILMAN… VASARAT… agieren, die Musik ist ja nicht gerade einfach. Interessant auch, wie sich das Publikum nach anfänglicher Befremdlichkeit immer mehr für die Band begeistert und zum Schluss in frränggische Eggsdahse gerrääd.

Das Interview verschlafen

Nach dem Konzert treffe ich Christian Pliefke von Nordic-Notes, der nicht nur CDs verkauft und Shirts wie das tolle Humppa-Elch-Teil, sondern auch die Hämmer betreut. Prima, machen wir gleich Interview-Termin aus für morgen um 14 Uhr, da kann ein jeder ausschlafen. Schließlich gehen wir gleich noch zur Finnen-Party ins K4, da legen Martti Mäkkelä und DJ Saamelainen auf, es gibt eine Salmiakki-Bar und ausschließlich Musik in weiß-blau. Wir, das sind seit Vasarat-CD-Stand-Gesprächen Tiina und Pirjo, zwei Finninnen und beider Freundin Sandra (alle Namen geändert), natürlich auch mit dem FIN-Virus infiziert, alle aus der Raum Erlangen, also um die Ecke.
Wird ein lustiger Abend, Martti und Saamelainen legen toll auf, und die Mädels sind richtig supernett. Um halb 3 ist Schluss, schließlich will ich ja die Hämmer interviewen ...

Die sind allerdings in der letzten Nacht dem Christian entfleucht und haben die warme Nürnberger Sommernacht und kühles fränkisches Bier genossen bis um 8 in der Früh und verpennen das Interview. Dann halt später, gibt Schlimmeres.

Uusiku - Tübingen in Finnland

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

Laura Ryhänen

Treffen wir eben ein paar alte Freunde aus Deggendorf, die sich aber nicht überreden lassen mitzukommen zum Ersten Konzert des Tages: UUSIKUU…, die Band von Laura Ryhänen aus Tyypinki – eine Finnin, die in Tübingen lebt und von dort aus Tango und Volksmusik in schwäbische Hirne oder Herzen pflanzen möchte – eine Sisyphus-Aufgabe, ich als Oberpfälzer bin in Oberschwaben schon an viel einfacheren Dingen gescheitert :-).

UUSIKUU… haben erst vor kurzem eine richtig feine CD veröffentlicht, auch in der Kirchenruine von St. Katharina begeistern sie das neugierige Publikum mit Unterhaltungsmusik aus den 30ern bis 60ern. Verglichen mit der CD sind sie ein wenig shaky, die Violine kratzt, auch der Sound ist nicht der beste. Macht nichts, Janne Sartorius, auf der CD Gastsänger, hat viele Lieder und ist der absolute Star dieses Konzerts. Fein auch die viel erklärenden Ansagen von Laura und Janne, beide in perfektem Deutsch – das Publikum dankt mit viel Applaus. Die Lieder sind grandios, aber wenn es zu fröhlich wird, holen sie uns mit einer Herz-Schmerz-Ballade schnell wieder auf den Boden der finnischen Melancholie. Schönes Konzert, gute Band, wird noch besser.

Pauliina Lerche - »Ihr seid wunderschön«

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

Pauliina Lerche - »no german beer«

Schnell mal rüber geschaut auf den Hauptmarkt zu *G. RAG Y LOS HERMANOS PACHEKOS*, Münchner Tex-Mex-Americana mit bavarian roots, die man von der BR-Serie »München 7« kennt: Es fehlt die Konzentration auf dem riesigen Hauptmarkt, da gehen wir lieber mal wieder ins Backstage oder woanders in München hin zu denen. Die Deggendorfer schlagen vor: *IRISHSTEIRISCH*, ok: Aber das wirkt etwas unausgegoren, ähnliches haben vor 15 Jahren, als das große alpine Volksmusik-Revival stattfand, andere besser gemacht. Trink ma halt a Hoibe. Und ich gehe zu einem Konzert, für das allein ich nach Nürnberg gefahren wäre:

PAULIINA… LERCHE… hat das Potential, nach Värttinä (wo sie als Kind mal mitgespielt hat, kommt sie doch auch aus Rääkkylä), Maria Kalaniemi und einigen anderen zum internationalen (World Music-) Superstar aufzusteigen. Sie steht mit den Schuhen in der karelischen Tradition (und Karelien ist musikalisch der interessanteste, weil eigenständigste, Teil Finnlands!), mit den Armen greift sie aber nach Erneuerung, sie schreibt fast tanzbare Ohrwürmer, spielt Akkordeon und Kantele, singt und hat eine ganz feine Band. Zuerst wirkt der Rickenbacker-Bass von Tomi Mäkkönen soundmäßig etwas deplaziert (wie viel schöner wäre hier ein Kontrabass!), aber Tomi überzeugt uns dann doch mit einem fulminanten Bass-Solo.

Toll auch Pauliinas kleine Schwester Hannamari Luukkanen an Violine und Gesang, die immer dann die Aufmerksamkeit auf sich zieht, wenn sich Pauliina mehr auf ihre Instrumente konzentrieren muss – clevere Schwestern, und tolle Musikerinnen! Zwei Gitarristen (wobei Markus Logrén auch Percussion spielt, und Slide-Guitar! In karelischer Folklore!!) lassen die Stücke anders klingen als auf ihrer letzten CD Malanja.

Pauliina Lerche spricht über die Schönheit der alten Gebäude in Nürnberg und dass sich die Jungs in der Band auf das »german beer« freuen – sie mag kein Bier, aber vielleicht gibt es was anderes? Ich verspreche ihr hiermit bei einem Interview eine leckere Flasche Gavi di Gavi. »Ihr seid wunderschön!« freut sie sich öfters, sie wird schnell lernen, was sie eigentlich sagen wollte, bald wird sie häufiger in Deutschland zu hören sein. Ganz tolles Konzert, kiitoksia paljon. Und wunderschön ist sie selber —

Leningrad Cowboys - Rumpelrock

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

Pauliina Lerche mit Tomi Mäkkönen und Markus Logrén

Danach kann ich mich auf nichts rechtes konzentrieren, war es doch schon schwer genug, in die Nähe der Bühne von Pauliina Lerche zu kommen. Und wo sind meine neuen Bekanntschaften? Wahrscheinlich bei der Säge, aber die kommt ja morgen noch mal.

Halt! Schnell zum Hauptmarkt! *JOAN ARMATRADING* war eines der ersten großen Konzerte meines Lebens, als ich frisch in München ankam, vor x Jahren. Es gibt ein paar tolle CDs von ihr, erst kürzlich hatte sie ein feines Comeback mit Blues. Stelle fest, dass wir beide nicht jünger geworden sind, aber Joan, ganz in schwarz gehosenanzugt, spielt blitzsaubere Gitarrensoli und ihre Stimme hat nichts, aber auch gar nichts von ihrer Kraft verloren. Aber schließlich hat Joan Armatrading nicht nur Kompetenz, sondern (wir zitieren E. Stoiber) Kompetenzkompetenz, darum zollen wir ihr einfach mal Respektrespekt. Und wenn sie »Willow« anstimmt, kommt die Gänsehaut ...

Jetzt zur *BIERMÖSL BLOSN*? Im Prinzip gern, aber das geht sich nicht aus, weil schon auf dem Weg dahin praktisch vor lauter Leut kein Weg mehr ist, welcher dahin ... ja mei, lass ma des halt. Nach ein paar Irrungen bleibt nur noch der Hauptmarkt, den man aber auch nicht zu Fuß erreichen kann:

30 000 Leute machen nämlich Riesenparty mit den LENINGRAD… COWBOYS…. Da braucht ma Bier dafür, aba ged ned, weil so lang die Schlang. Die Cowboys? Ja mei. Wer's mag, für den is' des Höchste. Rumpelrock. »Those Were The Days«, »Delilah«, »Rockin' In The Free World«, letzteres sogar ganz passabel, krieg ich noch mit, dann ist Sperrstund.

La Sega Del Canto - Love between Angela Merkel and Tarja Halonen

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

J.J. Calo lässt die Singe sägen ...
oder so ähnlich

Deggendorf meinte hinterher, dass der jetzige Sänger nicht so gut wäre, aber die Tanzmiezen dafür fesch und resch ...

Meine neuen Bekanntschaften jedenfalls hatten viel Spaß und Bier bei den Leningrad Cowboys. Sagen sie mir zumindest, als wir uns am Sonntag endlich wieder treffen beim Konzert von

LA SEGA… DEL… CANTO…. Geschenkt, denn was J.J. Calo aka Jouni Salo und Mr. Pulp aka Markus Pulkkinen mit Harmonium, Gitarre, Melody Horn und vor allem der Singenden Säge anstellen, ist musikalisch grandios und slapstick-gigantisch, die beiden küren wir jetzt mal zu den Marx Brothers des 21. Jahrhundert, gottlob ohne Harpos Harfe. Auch sie selbst sind begeistert, vom Wetter, der Architektur und den Leuten »here in Österrrreick«. Mit Löffeln bearbeiten beide die Säge, fechten vergebliche Kämpfe gegen Klappstühle, und weil es bei »Singin' In The Rain« nicht regnet, nehmen sie eine Sprühflasche, eine Bierflasche, eine Säge, und sprühen und spritzen und sägen und schütten und – unbeschreiblich, wir haben Tränen gelacht. Und viel gelernt, über die Liebe: »Love is a mystery, love between a man and a woman, a father and his son, a cowboy and his horse, love between Angela Merkel and Tarja Halonen. Here in Österreick.«

Sandy Dillon - wahnsinnig gut

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

Entfesselter Blues

Sandra, Tiina und Pirjo überlegen, ob sie lieber ein Bier trinken oder Mölkki spielen gehen wollen, und lassen sich nicht überzeugen, mich zu einer ...

— entfesselten SANDY… DILLON… zum nahen Hauptmarkt zu begleiten. Begleitet nur von Drummer und Gitarrist, aber bewaffnet mit einem giftgrün-schwarzen Netzkleid fängt uns die spinnengleiche chanteuse de l’enfer ein in ihrem Netz aus abgründigen Stories, gekleidet in blueslastige Sounds zwischen Tom Waits, John Lee Hooker und Captain Beefheart. Sie schreit mit einer einzigartigen Reibeisenstimme, gurrt, kiekst, flüstert, verrenkt sich mitsamt ihren langen dürren Haxn, spielt saugut E-Piano und überhaupt ein sensationelles Konzert, sie überwindet lässig die Tageszeit- und Viel-zu-großer-Platz-Problematik. Wahnsinn, ist die gut.

Sväng - Musik auf Kinderschreibmaschinen

Leider müssen wir *MARKO HAAVISTO & POUTAHAUKAT* mit unserer Abwesenheit beehren, denn *SVÄNG* ist uns kleiner Gruppe doch wichtiger. Zu der sich inzwischen auch Maxi gesellt hat, der Drummer von den Nightingales und auf Urlaub hier und schon gestern mit den Mädels und diversen Finnen sauber abgestürzt. Von ihm lernen wir erst mal viel über Alkoholismus (»You’re an alcoholic, if you can or may not drink anymore.«). Schade, ich muss ja noch 300 km Auto fahren heute. Das hätte ich gerne vertieft, zum Glück fing aber das Konzert an.

Das einzige Ärgernis: wenn schon ein Land als Schwerpunkt, dann könnte man die Konzerte so legen, dass sie sich nicht überschneiden.

Sväng

SVÄNG sind furchtbar. Furchtbar gut. Furchtbar unglaublich gut. Vier Mundharmonikas, die teilweise gar nicht so aussehen, eher wie eine Kinderschreibmaschine, wie ein Winkelblech oder wie irgendwas, das so klein ist, das man es in der Hand nicht sieht. Hochkomplex ist die Musik und fordert viel Konzentration, aber das Publikum ist hellwach, geht aufmerksam und begeistert mit.

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

Geschicktes Pusten: Sväng

Viele eigene Stücke, natürlich auch Tango. Sväng spielen traumhaft gut zusammen, irrsinnig virtuos, aber nicht abgehoben, 90 Minuten lang: unglaublich anstrengend sicherlich zu spielen, aber ob man da nicht gewisse Fertigkeiten entwickelt?

Mir fällt ein, dass ich auch eine Nightingales-CD hab, aber ich weiß nicht mehr wie sie heißt. Auch alle Aufzählungen von Maxi und Alex helfen nix, grün ist sie. Egal. Maxi bestellt ein Bier, egal welches, bekommt es und ihm gegenüber setzen sich zwei irische Bedienungen und warten, dass er trinkt.

Maxi wird misstrauisch und meint: »He, da ist was faul mit dem Bier«, aber die Irinnen sagen, alles ok, und nach bangen Minuten hebt Maxi das Glas sowie das Misstrauen in ihm sich in Wohlgefallen auf, genauso wie kurz darauf für mich ein wunderbares Wochenende in Nürnberg, mit tollen Konzerten und ein paar ganz wunderbaren neuen Bekannten, die ich sicher bald wieder sehen werde.

Finnisches Bardentreffen in Nürnberg

La Sega Del Canto:
Slapstick »here in Österrrreick«

»Cartoon Of A Band« heißt die Nightingales-CD. Brülle ich plötzlich in mein Auto. Gut ist sie auch.

Danke, kiitos also an:
Christian, Sandra, Tiina und Pirjo, Maxi, Martti, die Deggendorfer, sämtliche erwähnten Musiker und natürlich die Macher vom Bardentreffen, verbunden mit einem Kompliment: ganz toller Job.

Wir befürchten ja irgendwie, dass nächstes Jahr beim Bardentreffen kein Finnenjahr wird, auf dieses mussten wir sieben Jahre warten, nach 2001 mit Värttinä, M.A. Numminen, Liisa Matveinen & Tellu Turkka, Gjallarhorn etc.

Wir empfehlen aber eben doch: jedes Jahr ein Finnenjahr, uns von der Nordischen Musik und Martti und Christian fallen da sicher genug Musiker ein.
Schee war’s!